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Schauraum | Oskar Kokoschka

Oskar Kokoschka,

1886 Pöchlarn - 1980 Montreux

Orpheus
Aquarell auf Papier
48 x 63,5 cm
rechts unten signiert und datiert: "O. Kokoschka [19]58"

Literatur: Wird in das Werkverzeichnis von Alfred Weidinger aufgenommen.

Provenienz: Wilhelm Kempff

Oskar Kokoschka widmete dieses Blatt 1959 anlässlich eines Besuches dem Pianisten Wilhelm Kempff, der in der Casa Orfeo in Positano wohnte. Es gehört zu einer Serie von insgesamt sechs Aquarellen mit jeweils mythologischen Szenen, die während eines Aufenthaltes in Villeneuve am Genfer See entstanden.



Lebenslauf

1904 bis 1909 ist Oskar Kokoschka Schüler der Wiener Kunstgewerbeschule (bei A. von Kenner, C. O. Czeschka und B. Löffler), ab 1907 wirkt er gestalterisch in der Wiener Werkstätte und entwirft u. a. Postkarten und Fächer. Im selben Jahr entstehen die illustrierte Dichtung "Die träumenden Knaben" sowie zwei Theaterstücke. Der befreundete Adolf Loos vermittelt zahlreiche Porträtaufträge, die ihn als "jungen Wilden" schlagartig berühmt machen. Die Wiener Kunstschau 1908 wird schließlich zum erfolgreichen Ausstellungs-Debut. Sich 1910 in Berlin aufhaltend ist er für die Zeitschrift "Der Sturm" tätig und der Galerist Paul Cassirer nimmt ihn unter Vertrag. 1912/13 unterrichtet er als Assistent an der Wiener Kunstgewerbeschule, nach dem I. Weltkrieg übernimmt er 1919 bis 1924 eine Professur an der Dresdner Akademie. In den folgenden Jahren unternimmt er ausgedehnte Reisen, große Städte- und Landschaftsbilder entstehen. 1934 übersiedelt er nach Prag, bis 1938 ist er dort Professor an der Akademie. 1937 werden mehr als 400 Bilder beschlagnahmt und teilweise in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. Kokoschka flieht 1938 mit Olda Palkovska nach London, 1947 erhält er die britische Staatsbürgerschaft. Sich wieder häufig auf Reisen befindend so auch in den U.S.A. - erwirbt er 1951 einen Wohnsitz in Villeneuve am Genfer See, der zu seinem Lebenszentrum wird. In Salzburg gründet er mit dem Galeristen F. Welz die "Schule des Sehens", deren künstlerische Leitung Kokoschka bis 1962 innehat. Mitte der 1970er Jahre beginnt ein schweres Augenleiden das Sehvermögen des Künstlers zu beeinträchtigen. Was Kokoschka als "junger Wilder", als bedeutender Protagonist der expressionistischen Avantgarde inhaltlich angerissen hatte, bleibt für das Lebenswerk bestimmend: das feinnervig-scharfsichtige Aufspüren von Wahrheiten hinter den sichtbaren Eigenschaften - von Personen, Landschaften, der Welt und ihren Erscheinungen.